Zahlen für das Geschäftsjahr 2002 - Dürr konzentriert sich auf Stärkung der Ertragskraft
10.04.2003
- Auftragseingang durch Großaufträge gesteigert
- Ergebnis durch Restrukturierung und Margendruck belastet
- Nettoverschuldung halbiert
- Ertragssteigerungsprogramm SPRINT Quadrat in 2003 gestartet
- 1.Quartal 2003: überdurchschnittlich hoher Auftragseingang
Trotz schwacher Welt- und Automobilkonjunktur konnte der Technologiekonzern Dürr seinen Auftragseingang im Geschäftsjahr 2002 um rund 14 % steigern. Der Konzernumsatz ging vor allem währungsbedingt leicht zurück. Hauptsächlich aufgrund von Restrukturierungsaufwand, Margendruck und des geringeren Umsatzvolumens entwickelte sich das Ergebnis jedoch unbefriedigend. Vor diesem Hintergrund kündigte Dürr-Vorstandsvorsitzender Stephan Rojahn auf der Bilanzpressekonferenz in Stuttgart einen konsequenten Ertragssteigerungskurs an. Für 2003 erwartet Dürr keine Besserung der schwierigen konjunkturellen Rahmenbedingungen.
Der Dürr-Konzern, ein führender Anbieter von Produktionssystemen und Dienstleistungen für die Automobilindustrie, erzielte im Geschäftsjahr 2002 ein operatives Ergebnis EBITDA (Ergebnis vor Zinsaufwand, Steuern, Abschreibungen und Firmenwertamortisation) von 89,1 Mio. Euro (Vj. 127,8 Mio. Euro) und ein Ergebnis vor Steuern von 22,6 Mio. Euro (Vj. 39,8 Mio. Euro). Der Konzern-Jahresüberschuss betrug bei einer Steuerquote von 41,3 % (Vj. 49,5 %) 12,0 Mio. Euro (Vj. 20,0 Mio. Euro), das Ergebnis je Aktie 0,84 Euro (Vj. 1,40 Euro). Aufgrund von Anpassungen auftragsbezogener Forderungen und projektbezogener Rückstellungen im Rahmen der übertragung einer Konzerngesellschaft wurden die Ergebnisgrößen für das Geschäftsjahr 2001 rückwirkend angepasst.
Ergebnisbelastend wirkten im Geschäftsjahr 2002 vor allem Restrukturierungsaufwendungen von - wie angekündigt - rund 20 Mio. Euro. Sie entfielen hauptsächlich auf den Unternehmensbereich Measuring Systems, der die Messtechnik-Aktivitäten des Schenck-Konzerns bündelt, und die US-Aktivitäten der Umwelttechnik-Produktlinie Environmental Systems (Unternehmensbereich Paint Systems). Im Rahmen der Restrukturierungen konnte die Kostenbasis deutlich gesenkt werden, vor allem durch Kapazitätsanpassungen, Personalabbau und die Zusammenlegung von Standorten. Neben Restrukturierungsaufwendungen ist die Abschwächung des Konzernergebnisses auf konjunkturbedingte Einbußen besonders im margenstarken Produktgeschäft, das geringere Umsatzvolumen sowie auf veränderte Wechselkursrelationen zurückzuführen. Insbesondere die Stärke des Euros gegenüber dem US-Dollar trug zu einem währungsbedingten Rückgang des Ergebnisses vor Steuern um rund 3 Mio. Euro bei.
Durch verbessertes Anzahlungs- und Working Capital Management konnte Dürr die Nettoverschuldung zum 31. Dezember 2002 gegenüber dem Vorjahresstichtag mehr als halbieren (123,1 Mio. Euro, Vj. 289,8 Mio. Euro).
Vorstand und Aufsichtsrat werden der Hauptversammlung am 28. Mai 2003 vorschlagen, eine Dividende in Höhe von 0,80 Euro je Aktie auszuschütten (Vj. 1,10 Euro). Daraus ergibt sich, gemessen am Jahresschlusskurs 2002 (16,00 Euro), eine Dividendenrendite von 5,0 %.
Konzernumsatz leicht unter Vorjahr
Der konsolidierte Umsatz des Dürr-Konzerns lag trotz des schwierigen gesamtwirtschaftlichen Umfelds mit 2.082,1 Mio. Euro um nur rund 5 % unter dem Vorjahreswert (2.196,2 Mio. Euro). Bereinigt um Wechselkurseffekte in der Größenordnung von rund 60 Mio. Euro betrug der Umsatzrückgang 2,5 %. Die Dürr-Unternehmensbereiche erzielten 2002 folgende Gesamtumsätze: Paint Systems 1.054,3 Mio. Euro (Vj. 1.094,5 Mio. Euro), Final Assembly Systems 404,7 Mio. Euro (Vj. 425,2 Mio. Euro), Services 143,9 Mio. Euro (Vj. 134,0 Mio. Euro), Ecoclean 221,9 Mio. Euro (Vj. 277,3 Mio. Euro), Measuring Systems 385,9 Mio. Euro (Vj. 428,9 Mio. Euro).
Auftragseingang trotz Konjunkturschwäche gesteigert
Der konsolidierte Auftragseingang des Konzerns stieg im Geschäftsjahr 2002 um rund 14 % auf 2.346,7 Mio. Euro (Vj. 2.063,2 Mio. Euro). Dabei konnte Dürr sowohl in Europa als auch in Nordamerika und China, dem wichtigsten asiatischen Wachstumsmarkt, zulegen. Ausschlaggebend für den Zuwachs waren vor allem Großaufträge von Automobilherstellern, die im Zeichen des weltweit verschärften Wettbewerbs in neue Dürr-Produktionssysteme investierten, um flexibler und effizienter produzieren zu können. Der Unternehmensbereich Paint Systems (Lackiersysteme) trug mit 51 % am stärksten zum hohen Konzern-Auftragseingang bei. Neben mehreren Großaufträgen über komplette Automobil-Lackierereien verzeichnete Paint Systems eine anhaltend steigende Nachfrage für den Dürr-Ecopaint-Lackierroboter, der im Geschäftsjahr 2002 über 300-mal ausgeliefert wurde.
Der konsolidierte Auftragsbestand des Dürr-Konzerns stieg zum Jahresende 2002 um rund 18 % auf 1.381,4 Mio. Euro (Vj. 1.171,6 Mio. Euro) bei allerdings deutlichen Unterschieden in den einzelnen Unternehmensbereichen. Die Abwicklung der Großaufträge im Unternehmensbereich Paint Systems erstreckt sich über mehrere Jahre, während die Auftragsreichweite in anderen Unternehmensbereichen zum Teil nur drei bis vier Monate beträgt. Die Zahl der Konzernmitarbeiter wuchs zum 31. Dezember 2002 auf 12.902 (Vj. 12.675). Bereinigt um den Unternehmensbereich Services, der im personalintensiven Dienstleistungsgeschäft 545 Mitarbeiter einstellte, sank die Mitarbeiterzahl im Konzern vor allem restrukturierungsbedingt um 318 (-3,6 %).
Die Sachinvestitionen des Dürr-Konzerns betrugen im abgelaufenen Geschäftsjahr 27,7 Mio. Euro (Vj. 35,9 Mio. Euro). Mit einer F&E-Quote von leicht über 6 % vom Umsatz einschließlich projektbezogener F&E-Aufwendungen konnte Dürr seine führenden Technologiepositionen weiter stärken. Entwicklungsschwerpunkte waren neben der verstärkten Automatisierung von Produkten vor allem die Standardisierung und Modularisierung der Dürr-Produktfamilien.
Vorläufige Werte für das 1. Quartal 2003: überdurchschnittlich hoher Auftragseingang
Nach vorläufigen Zahlen erzielte der Dürr-Konzern im ersten Quartal 2003 einen überdurchschnittlich hohen Auftragseingang von 1.124 Mio. Euro nach 486,3 Mio. Euro im 1. Quartal 2002. Ausschlaggebend für den starken Anstieg war vor allem ein Großprojekt von General Motors (GM). Im Rahmen des größten Einzelauftrags der Dürr-Firmengeschichte bestellte GM mehrere Lackiersysteme für verschiedene nordamerikanische Standorte.
Der Umsatz lag in den ersten drei Monaten 2003 mit 396 Mio. Euro auf dem Vorjahresniveau (Vj. 395,0 Mio. Euro). Der Auftragsbestand stieg zum 31. März 2003 in Folge des hohen Auftragseingangs auf 2.097 Mio. Euro (Vj. 1.258,2 Mio. Euro.). Der Großteil des Auftragsbestands entfällt auf den Unternehmensbereich Paint Systems und erstreckt sich zum Teil bis in das Geschäftsjahr 2006. Die Mitarbeiterzahl betrug zum Quartalsende 12.878 (Vj. 12.410), bereinigt um den Unternehmensbereich Services sank sie auf 8.589 (Vj. 8.863).
Das EBITDA für die Monate Januar bis März 2003 erreichte 10 Mio. Euro nach 2,6 Mio. Euro im Vorjahresquartal. Das Ergebnis vor Steuern lag bei -5 Mio. Euro, nachdem es im 1. Quartal 2002 restrukturierungsbedingt -14,8 Mio. Euro betragen hatte. Geprägt wurde das Ergebnis im 1. Quartal 2003 von einem seit Ende 2002 verstärkten Margendruck und einer regional unterschiedlichen Auslastungssituation in den einzelnen Unternehmensbereichen.
Zentrales Ziel: Ertragssteigerung durch SPRINT Quadrat
Aufgrund der unbefriedigenden Ergebnisentwicklung und des wachsenden Margendrucks intensiviert Dürr seine Maßnahmen zur nachhaltigen Verbesserung der Profitabilität deutlich. "Nach Jahren der Expansion und angesichts der anhaltend schwierigen konjunkturellen Rahmenbedingungen richten wir unsere ganze Kraft auf die Verbesserung der Kosten- und Ertragsposition", unterstrich Stephan Rojahn, seit 1. Januar 2003 Vorstandsvorsitzender der Dürr AG, auf der Bilanzpressekonferenz. Mit dem Anfang dieses Jahres beschlossenen Ertragssteigerungsprogramm SPRINT Quadrat beabsichtigt Dürr, das Unternehmen robuster zu machen und die Vorsteuer-Zielrendite des Konzerns von 5 % vom Umsatz zu erreichen. Schwerpunkte von SPRINT Quadrat sind die Senkung der Beschaffungskosten, die Optimierung von Konstruktions-, Projektierungs- und Fertigungsprozessen, die Reduzierung von Risiken in der Auftragsabwicklung sowie die Bereinigung von Standorten und des Portfolios. Daneben begegnet Dürr dem Wettbewerbs- und Margendruck mit einem konzernweit verstärkten Innovationsmanagement. "Neue Produkte und Lösungen, die unseren Kunden höhere Produktivität und Flexibilität in der Fertigung ermöglichen, sind ein wichtiger Beitrag zur Sicherung unserer Wettbewerbsposition", so Dürr-Chef Stephan Rojahn.
2003: Stabilisierung der Umsatz- und Ergebnissituation erwartet
Für das Jahr 2003 erwartet Dürr keine großen Impulse für die Weltwirtschaft, nicht zuletzt aufgrund der weiterhin bestehenden politischen Unwägbarkeiten. Daher wird das Investitionsverhalten der Automobilindustrie nach Einschätzung des Vorstands von Vorsicht geprägt sein.
Vor diesem Hintergrund hat Dürr in der Planung für das Geschäftsjahr 2003 keine Besserung der Rahmenbedingungen unterstellt. Aufgrund des hohen Auftragsbestands, insbesondere im Unternehmensbereich Paint Systems, und der umgesetzten Restrukturierungen geht der Vorstand für das Geschäftsjahr 2003 von einer Stabilisierung der Umsatz- und Ergebnissituation aus. Verlässliche Prognosen sind angesichts der wirtschaftlichen und politischen Unsicherheiten derzeit allerdings nicht möglich. Mit dem Ertragssteigerungsprogramm SPRINT Quadrat reagiert Dürr jedoch konsequent auf die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und schafft alle Voraussetzungen, um die konjunkturelle Durststrecke zu meistern und bei einer Konjunkturbelebung überdurchschnittlich profitieren zu können.
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