Dürr legt die Bilanz für das Geschäftsjahr 2003 vor
29.04.2004
- Auftragseingang und Umsatz über Vorjahr
- Konzernergebnis durch Restrukturierungen und Wertberichtigungen belastet
- Für 2003 keine Dividende vorgesehen
- Weichen für Steigerung der Ertragskraft mit konsequent gestellt
- Squeeze-out Carl Schenck AG: Barabfindung von 157 Euro je Stückaktie festgelegt
Trotz eines anhaltend schwierigen Marktumfelds und negativer Währungseinflüsse hat der Dürr-Konzern Auftragseingang und Umsatz im Geschäftsjahr 2003 gesteigert. Das Konzernergebnis wurde durch Restrukturierungsaufwendungen und Wertberichtigungen belastet und fiel deshalb negativ aus. Mit dem Start des Ertragssteigerungsprogramms SPRINT QUADRAT hat Dürr die Weichen für eine nachhaltige Verbesserung seiner Rentabilität gestellt. Die mehr als 200 Einzelmaßnahmen werden nun konsequent umgesetzt.
Auftragseingang und Umsatz über Vorjahr
Der konsolidierte Auftragseingang des Dürr-Konzerns verbesserte sich gegenüber dem Vorjahr um 9,5 Mio. Euro auf 2.356,2 Mio. Euro. Mit Wechselkursen des Vorjahres berechnet wäre er um 236,7 Mio. Euro beziehungsweise 10 % gestiegen. Der sehr hohe Auftragseingang resultiert in erster Linie aus einem Großauftrag des US-Automobilherstellers General Motors. Dieser größte Einzelauftrag der Dürr-Firmengeschichte umfasst die Lieferung von drei schlüsselfertigen Lackierereien.
Der konsolidierte Umsatz stieg um 9 % auf den bisher höchsten Wert von 2.264,5 Mio. Euro (Vorjahr 2.082,1 Mio. Euro). Bereinigt um Währungseinflüsse wäre der Umsatz auf 2.437,1 Mio. Euro gestiegen; dies hätte einem Wachstum von 355,0 Mio. Euro beziehungsweise 17 % gegenüber dem Vorjahr entsprochen. "Die hohen Werte bei Auftragseingang und Umsatz bestätigen die starke Marktposition von Dürr. Insbesondere in den neuen Fertigungsmärkten Asiens konnten wir vom Aufbau zusätzlicher Produktionskapazitäten durch die Automobilindustrie profitieren", sagte Stephan Rojahn, Vorsitzender des Vorstands der Dürr AG, auf der Bilanzpressekonferenz in Stuttgart.
Restrukturierungen und Wertberichtigungen belasten Konzernergebnis
Das Ergebnis vor Steuern (EBT) fiel im Geschäftsjahr 2003 mit -6,9 Mio. Euro negativ aus (Vorjahr 22,6 Mio. Euro). Neben anhaltendem Margendruck sowie Wechselkurseffekten, die das Ergebnis mit 4,1 Mio. Euro belasteten, waren für den Rückgang vor allem Restrukturierungsaufwendungen von 25,6 Mio. Euro im Rahmen von verantwortlich. Hinzu kamen Aufwendungen für nicht mehr benötigte Zinssicherungen und Abschreibungen auf Beteiligungsbuchwerte (11,0 Mio. Euro). Der Großteil der Restrukturierungsaufwendungen entfiel mit 18,4 Mio. Euro auf die Schließung der Vorfertigung des Unternehmensbereichs Measuring Systems in Darmstadt. Ohne die Restrukturierungsaufwendungen ergibt sich ein positives Ergebnis vor Steuern von 18,7 Mio. Euro.
Aufgrund einer Wertberichtigung in Höhe von 23,0 Mio. Euro auf aktive latente Steuern für Verlustvorträge berichtet Dürr für das Geschäftsjahr 2003 einen Jahresfehlbetrag von 31,3 Mio. Euro (Vorjahr Jahresüberschuss 12,0 Mio. Euro). Da diese Wertberichtigung nicht ausgabenwirksam ist, weist Dürr einen positiven Cashflow aus der Geschäftstätigkeit von 56,4 Mio. Euro aus. Das Ergebnis je Aktie betrug -2,19 Euro (Vorjahr 0,84 Euro).
Für 2003 keine Dividende vorgesehen
Aufgrund des negativen Ergebnisses werden Vorstand und Aufsichtsrat der Dürr AG der Hauptversammlung am 9. Juni 2004 in Stuttgart vorschlagen, für das Geschäftsjahr 2003 keine Dividende zu zahlen.
Unternehmensbereiche im Überblick
Infolge des Großauftrags von General Motors lag der Gesamtauftragseingang des Unternehmensbereichs Paint Systems mit 1.400,1 Mio. Euro deutlich über dem hohen Vorjahreswert (1.286,8 Mio. Euro). Vor allem aufgrund der starken Auftragseingänge der Jahre 2002 und 2003 in den USA stieg auch der Gesamtumsatz mit 1.243,2 Mio. Euro über den Vorjahreswert (1.054,3 Mio. Euro). Im Rahmen von hat Paint Systems die Produktstandardisierung intensiviert und die Auftragsabwicklung verbessert. Dies trug dazu bei, dass das Ergebnis vor Steuern auf 27,3 Mio. Euro stieg (Vorjahr 23,3 Mio. Euro), obwohl es von Restrukturierungsaufwendungen von 5,0 Mio. Euro für Kapazitätsanpassungen in Frankreich belastet war.
Mit 405,4 Mio. Euro unterschritt der Gesamtauftragseingang des Unternehmensbereichs Final Assembly Systems den sehr hohen Vorjahreswert (476,2 Mio. Euro), der vor allem auf Großprojekte im Bereich der Fahrzeugendmontage zurückzuführen war. Der Gesamtumsatz stieg dagegen auf 436,6 Mio. Euro (Vorjahr 404,7 Mio. Euro). Dies resultiert aus Zuwächsen sowohl im Endmontagegeschäft als auch im Fördertechnikgeschäft. Das Vorsteuerergebnis von Final Assembly Systems verringerte sich auf 7,4 Mio. Euro (Vorjahr 10,0 Mio. Euro). Ausschlaggebend dafür waren vor allem Aufwendungen im Zusammenhang mit dem weiteren Ausbau der polnischen Gesellschaft Dürrpol und Verzögerungen bei der Sanierung der US-Gesellschaft Dürr Production Systems.
Der Unternehmensbereich Services war von der Abwertung des US-Dollar
besonders betroffen, da er einen Großteil seiner Geschäfte in den USA abwickelt. Dennoch lagen Gesamtauftragseingang und Gesamtumsatz mit je 146,5 Mio. Euro leicht über Vorjahr (143,1 Mio. Euro und 143,9 Mio. Euro), während das Ergebnis wettbewerbsbedingt leicht auf 7,1 Mio. Euro (Vorjahr 7,5 Mio. Euro) zurückging. Währungsbereinigt lägen Gesamtauftragseingang und -umsatz jeweils 19 % und das Ergebnis vor Steuern 12 % über den Vorjahreswerten.
Aufgrund der Nachfrageschwäche in den USA sanken der Gesamtauftragseingang des Unternehmensbereichs Ecoclean auf 176,9 Mio. Euro (Vorjahr 236,7 Mio. Euro) und der Gesamtumsatz auf 215,5 Mio. Euro (Vorjahr 221,9 Mio. Euro). Das Ergebnis vor Steuern verringerte sich auf 6,2 Mio. Euro nach 10,4 Mio. Euro im Vorjahr. Eine Ursache dafür war der schwache US-Markt und der daraus resultierende starke Preisdruck. Das Ergebnis enthält auch Restrukturierungsaufwendungen in Höhe von 1,5 Mio. Euro für Kapazitätsanpassungen in den USA und Spanien.
Der Unternehmensbereich Measuring Systems verzeichnete einen unbefriedigenden Geschäftsverlauf in Nordamerika und Europa. Vor diesem Hintergrund gingen der Gesamtauftragseingang mit 369,7 Mio. Euro (Vorjahr 381,2 Mio. Euro) und der Gesamtumsatz mit 364,9 Mio. Euro (Vorjahr 385,9 Mio. Euro) leicht zurück. Das Ergebnis vor Steuern sank auf -29,0 Mio. Euro (Vorjahr -4,5 Mio. Euro). Maßgeblich dafür waren vor allem hohe Restrukturierungsaufwendungen (19,1 Mio. Euro), mit denen Measuring Systems seine Wettbewerbsfähigkeit verbessert. Außerdem wurde das Ergebnis durch eine unbefriedigende Geschäfts- und Ertragsentwicklung der Produktlinie Development Test Systems belastet.
Nettofinanzverschuldung des Dürr-Konzerns erheblich zurückgeführt
Durch planmäßige Kredittilgungen und konzernweites Working Capital Management konnte Dürr die Nettofinanzverschuldung im Jahresdurchschnitt abermals um rund 100 Mio. Euro auf 221,5 Mio. Euro zurückführen (Vorjahr 333,2 Mio. Euro). Bezogen auf den 31. Dezember 2003 sank die Nettofinanzverschuldung auf 97,0 Mio. Euro (Vorjahr 123,1 Mio. Euro). Infolgedessen verbesserte sich das Finanzergebnis um 4,7 Mio. Euro auf -20,5 Mio. Euro (Vorjahr -25,2 Mio. Euro).
SPRINT QUADRAT: Klare Weichenstellung Richtung Steigerung der Ertragskraft
In den vergangenen Geschäftsjahren konnte die Ergebnisentwicklung von Dürr nicht mit dem akquisitionsbedingten Umsatzwachstum Schritt halten. Daher konzentriert sich der Konzern nun konsequent auf die Verbesserung der operativen Ertragskraft. Die Voraussetzungen für mehr Rentabilität schafft Dürr mit dem im Frühjahr 2003 beschlossenen Ertragssteigerungsprogramm SPRINT QUADRAT, das die vier Hauptstoßrichtungen Kostensenkung, Risikoreduzierung, Reduzierung des Net Working Capital und Standort- und Portfoliobereinigung verfolgt.
2003 hat Dürr im Rahmen der SPRINT QUADRAT-Weichenstellung konzernweit über 200 Maßnahmen definiert und auf den Weg gebracht. Die ersten Projekte wurden erfolgreich umgesetzt. Hierunter fällt beispielsweise die Produktstandardisierung im Unternehmensbereich Paint Systems. Dadurch konnten die Herstellkosten über alle Produkte hinweg im Durchschnitt um 9 % gesenkt werden. Weitere wichtige Maßnahmen waren die Schließung der Vorfertigung in Darmstadt mit einem jährlichen Einsparvolumen von rund 10 Mio. Euro ab 2005 sowie Verbesserungen in der weltweiten Beschaffungsorganisation.
2004 intensiviert Dürr konsequent die Umsetzung der Maßnahmen. Große Bedeutung auf der SPRINT QUADRAT-Agenda hat die Reduktion des Net Working Capital. "Mit der konzernweiten Optimierung unseres Forderungs- und Bestandsmanagements werden wir unsere Finanzierungskosten weiter senken und unsere Bilanzstruktur weiter verbessern", betonte Finanzvorstand Kay Bönisch. "Damit legen wir das Fundament für eine nachhaltige Steigerung der Ertragskraft", ergänzte der Finanzchef.
Notwendiger Stellenabbau in Engineering-Unternehmensbereichen
Im Hinblick auf die nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit von Dürr mussten im Rahmen von SPRINT QUADRAT in Amerika und Europa 486 Stellen in den Engineering-Unternehmensbereichen Paint Systems, Final Assembly Systems, Ecoclean und Measuring Systems abgebaut werden. Gegenläufig war ein Kapazitätsaufbau von 104 Mitarbeitern im Wachstumsmarkt Asien. Netto reduzierte sich die Anzahl der Mitarbeiter in den Engineering- Unternehmensbereichen um 4,4 % auf 8.248 (Vorjahr 8.630). Aufgrund von Neuprojekten verzeichnete der Unternehmensbereich Services hingegen einen Anstieg der Mitarbeiterzahl auf 4.499 (Vorjahr 4.272). In der Summe verringerte sich der Personalstand des Konzerns zum 31. Dezember 2003 um 1 % auf 12.747 Mitarbeiter (Vorjahr 12.902). 64 % der Dürr-Mitarbeiter sind im Ausland beschäftigt.
Squeeze-out Carl Schenck AG: Barabfindung von 157 Euro pro Aktie festgelegt
In seiner gestrigen Sitzung hat der Aufsichtsrat der Dürr AG dem Vorschlag des Vorstands zugestimmt, die Barabfindung für die Minderheitsaktionäre der Carl Schenck AG im Rahmen des geplanten Squeeze-outs auf 157 Euro je Stückaktie an der Carl Schenck AG festzulegen. Die Dürr AG ist mit 98,7 % am Grundkapital der Carl Schenck AG beteiligt.
Deutlich positives Ergebnis vor Steuern für 2004 erwartet
Für 2004 erwartet Dürr allenfalls eine moderate wirtschaftliche Erholung. Vor diesem Hintergrund geht Dürr von einem anhaltend restriktiven Investitionsverhalten der Automobilindustrie aus. Der Vorstand erwartet nach dem durch Sondereffekte bedingten Verlust im abgelaufenen Geschäftsjahr für 2004 ein deutlich positives Ergebnis vor Steuern. Stephan Rojahn fasste zusammen: "In einem weiterhin schwierigen konjunkturellen und industriellen Umfeld ist unser vorrangiges Ziel klar definiert: Wir wollen die Ertragskraft und Rentabilität von Dürr signifikant erhöhen, um unsere Marktpositionen im globalen Wettbewerb weiter zu verbessern. Hierzu werden wir den durch SPRINT QUADRAT eingeschlagenen Weg konsequent weiter gehen und jede Maßnahme Schritt für Schritt umsetzen."
| Kennzahlen Dürr-Konzern 2003 und 2002 (US GAAP) | 2003 | 2002 | |
|---|---|---|---|
Auftragseingang | Euro Mio | 2.356,2 | 2.346,7 |
Umsatz | Euro Mio | 2.264,5 | 2.082,1 |
Auftragsbestand | Euro Mio | 1.386,6 | 1.381,4 |
Restrukturierungsaufwand | Euro Mio | 25,8 | - |
EBITA | Euro Mio | 48,4 </ strong> | 89,1 |
EBITA vor Restrukturierung | Euro Mio | 72,7 | 89,1 |
EBIT | Euro Mio | 17,9 | 55,1 |
EBIT vor Restrukturierung | Euro Mio | 43,5 | 55,1 |
EBT | Euro Mio | -6,9 | 22,6 |
EBT vor Restrukturierung | Euro Mio | 18,7 | 22,6 |
Jahresfehlbetrag /-überschuss | Euro Mio | -31,3 | 12,0 |
|
|
|
|
Ergebnis je Aktie | Euro | -2,19 | 0,84 |
Dividende | Euro | -* | 0,80 |
Höchst- /Tiefstkurs Dürr-Aktie | Euro | 19,30/13,15 | 26,00/14,80 |
Mitarbeiter (Jahresende) |
| 12.747 | 12.902 |
Mitarbeiter ohne Services |
| 8.248 | 8.630 |
*Dividendenvorschlag zur Hauptversammlung
| Unternehmensbereich | 2003 | 2002 | Paint Systems strong> | |
|---|---|---|---|---|
| Gesamtumsatz | Euro Mio | 1.243,2 | 1.054,3 | |
| EBT | Euro Mio | 27,3 | 23,3 | |
| EBT vor Restr. | Euro Mio | 32,3 | 23,3 | |
| Mitarbeiter (Jahresende) | 2.808 | 2.837 | ||
| Final Assembly Systems strong> | ||||
| Gesamtumsatz | Euro Mio | 436,6 | 404,7 | |
| EBT | Euro Mio | 7,4 | 10,0 | |
| EBT vor Restr. | Euro Mio | 7,4 | 10,0 | |
| Mitarbeiter (Jahresende) | 1.593 | 1.609 | ||
| Services strong> | ||||
| Gesamtumsatz | Euro Mio | 146,5 | 143,9 | |
| EBT | Euro Mio | 7,1 | 7,5 | |
| EBT vor Restr. | Euro Mio | 7,1 | 7,5 | |
| Mitarbeiter (Jahresende) | 4.499 | 4.272 | ||
| Ecoclean strong> | ||||
| Gesamtumsatz | Euro Mio | 215,5 | 221,9 | |
| EBT | Euro Mio | 6,2 | 10,4 | |
| EBT vor Restr. | Euro Mio | 7,7 | 10,4 | |
| Mitarbeiter (Jahresende) | 932 | 1.079 | ||
| Measuring Systems strong> | ||||
| Gesamtumsatz | Euro Mio | 364,9 | 385,9 | |
| EBT | Euro Mio | -29,0 | -4,5 | |
| EBT vor Restr. | Euro Mio | -9,9 | -4,5 | |
| Mitarbeiter (Jahresende) | 2.861 | 3.046 | ||
|
Dürr AG corpcom(at)durr.com |
