Geschäftszahlen für 2004 - Dürr hat 2004 die Ertragswende geschafft

21.04.2005

Der Dürr-Konzern hat im Geschäftsjahr 2004 die Ertragswende geschafft und ein Ergebnis vor Steuern von 11,8 Mio. Euro erzielt (Vorjahr -5,7 Mio. Euro). Mit der seit 1. März wirksamen Neuordnung des Konzerns hat das Unternehmen eine wichtige Voraussetzung geschaffen, um die Ertragskraft weiter zu stärken.

Das erstmals nach IFRS (International Financial Reporting Standards) ermittelte Ergebnis vor Steuern stieg in der neuen Konzernstruktur, den so genannten fortgeführten Aktivitäten, um 19,5 Mio. Euro auf 18,6 Mio. Euro. In den fortgeführten Aktivitäten sind der an die Voith-Gruppe veräußerte Geschäftsbereich Services und die Produktlinie DTS (Development Test Systems) nicht mehr enthalten. DTS, ein Anbieter von Mess- und Prüftechnik für die Fahrzeugentwicklung, soll in eine Minderheitsbeteiligung eingebracht oder vollständig veräußert werden. Für das Jahr 2005 plant Dürr, Vorsteuerergebnis und EBITDA der fortgeführten Aktivitäten weiter zu steigern. Dies kündigte Dürr-Vorstandschef Stephan Rojahn auf der heutigen Bilanzpressekonferenz in Stuttgart an.

Ausbau des margenstarken Industriegeschäfts

Einen wichtigen Beitrag zur geplanten Ergebnisverbesserung soll der Ausbau des Industriegeschäfts, also der Aktivitäten außerhalb der Automobilindustrie, liefern. »Im Rahmen unserer strategischen Neuausrichtung werden wir wachstums- und margenstarke Geschäftsfelder ausbauen, zum Beispiel die Verfahrenstechnik für die Minenindustrie, die Umwelttechnik sowie die Lackier- und Montagetechnik für die Luftfahrtindustrie«, sagte Dürr-Chef Rojahn. Darüber hinaus setzt Dürr auf die Ausweitung des Modernisierungsund Umbaugeschäfts in der Automobilindustrie sowie auf Effizienzgewinne durch das laufende Ertragssteigerungsprogramm SPRINT. Die neue Konzernstruktur mit den beiden Unternehmensbereichen Paint and Assembly Systems und Measuring and Process Systems wird Dürr eine höhere Schlagkraft am Markt verleihen. Durch die schlanke Organisation erwartet Dürr ab 2006 jährliche Einsparungen von 10 Mio. Euro.

Chancen im Umbau- und Modernisierungsgeschäft

Die prognostizierte Ergebnisverbesserung in 2005 will Dürr erreichen, obwohl für das laufende Geschäftsjahr mit einem niedrigeren Umsatz geplant wird. Vor dem Hintergrund der aktuellen Konkurrenzsituation betreibt Dürr eine sorgfältige Auftragsselektion: »Wir setzen nicht auf Umsatz um jeden Preis, sondern auf Auftragsqualität«, sagte Dürr-Chef Rojahn.

Darüber hinaus sieht Dürr gute Geschäftschancen im Remodelling bestehender Fertigungsanlagen: »Weltweit sind weit über hundert von uns errichtete Karosserielackierereien in Betrieb. Mit Umrüstungen und Modernisierungen unterstützen wir unsere Kunden verstärkt bei drängenden Themen wie Qualitätsverbesserung, Senkung der Produktionskosten und Einhaltung von Umweltstandards«, sagte Dürr-Chef Rojahn.

Umsatz und Auftragseingang

Der konsolidierte Umsatz in den fortgeführten Aktivitäten lag im Geschäftsjahr 2004 bei 1.903,3 Mio. Euro und damit um 6,9 % unter dem Vorjahreswert (2.044,9 Mio. Euro). Bereinigt um Währungseffekte hätte der Umsatz bei 1.968,7 Mio. Euro und damit um 3,7 % niedriger gelegen als im Vorjahr. Im Konzern, das heißt inklusive Services und DTS, betrug der Umsatz 2.136.4 Mio. Euro (Vorjahr 2.271,9 Mio. Euro).

Der konsolidierte Auftragseingang lag in den fortgeführten Aktivitäten vor dem Hintergrund eines rückläufigen Marktvolumens bei 1.584,6 Mio. Euro nach 2.127,0 Mio. Euro im Vorjahr. Zu berücksichtigen ist, dass der Betrag des Jahres 2003 aufgrund eines Großauftrags von General Motors, der über mehrere Jahre umsatzwirksam ist, weit über dem Normalniveau lag. Der konsolidierte Auftragseingang des Konzerns sank von 2.356,2 Mio. Euro auf 1.841,3 Mio. Euro. Auch dies ist maßgeblich ein Effekt des GM-Großauftrags des Vorjahrs.

Deutliche Ertragsverbesserung bei Measuring Systems

Wesentlichen Anteil an der Ertragsverbesserung in 2004 hatte der Geschäftsbereich Measuring Systems (ohne DTS). Hier sorgten operative Verbesserungen und geringere Restrukturierungsaufwendungen als im Vorjahr für einen Anstieg des Ergebnisses vor Steuern auf 10,9 Mio. Euro (Vorjahr -14,5 Mio. Euro).

Belastet wurde das Ergebnis im Geschäftsjahr 2004 durch außerplanmäßige Aufwendungen in Höhe von 15,1 Mio. Euro. Sie fielen in den Geschäftsbereichen Ecoclean und Final Assembly Systems an, wo es zu Problemen bei der Abwicklung einzelner Aufträge kam.

In den Jahren 2003 und 2004 hat Dürr durch sein Ertragssteigerungsprogramm SPRINT insgesamt rund 105 Mio. Euro eingespart; bis Ende 2005 werden es rund 170 Mio. Euro sein. »Diese Einsparungen sind von entscheidender Bedeutung, um unsere Wettbewerbsfähigkeit in einem konkurrenzbetonten Preisumfeld zu sichern«, erklärte Stephan Rojahn.

Der Jahresüberschuss der fortgeführten Aktivitäten stieg im Geschäftsjahr 2004 auf 11,6 Mio. Euro, nachdem Dürr im Vorjahr einen Fehlbetrag von 22,0 Mio. Euro ausgewiesen hatte. Entsprechend stieg das Ergebnis je Aktie nach Anteilen Dritter auf 0,88 Euro (Vorjahr -1,56 Euro). Der Dürr-Konzern erzielte bei einem Jahresüberschuss von 4,7 Mio. Euro (Vorjahr Fehlbetrag 30,3 Mio. Euro) ein Ergebnis je Aktie nach Anteilen Dritter von 0,40 Euro (Vorjahr -2,14 Euro). Der Steueraufwand von 7,1 Mio. Euro im Konzern resultiert im Wesentlichen aus Wertberichtigungen auf aktive latente Steuern bei DTS sowie aus nicht abzugsfähigen Zinsen für langfristige Darlehen.

Dürr wird den Aktionären für das Geschäftsjahr keine Dividendenausschüttung vorschlagen. Der Bilanzgewinn soll stattdessen zur Stärkung der Eigenkapitalbasis eingesetzt werden.

Bilanzstruktur verbessert

Mit der im Juli 2004 platzierten Unternehmensanleihe über 200 Mio. Euro und einen zeitgleich abgeschlossenen syndizierten Kredit hat sich die Bilanzstruktur des Konzerns verbessert. Den Anteil der kurzfristigen Finanzverbindlichkeiten des Konzerns konnte Dürr von 52 % auf 29 % senken. Die Eigenkapitalquote des Konzerns stieg zum 31. Dezember 2004 auf 15,5 % nach 13,1 % am Vorjahresstichtag.

Mitarbeiterzahl an schwieriges Marktumfeld angepasst

Im Rahmen von SPRINT hat Dürr seine Personalkapazitäten weiter an das schwierige Marktumfeld in der Automobilindustrie angepasst. Am 31. Dezember 2004 waren 7.280 Mitarbeiter in den fortgeführten Aktivitäten beschäftigt. Das sind 4,7 % weniger als im Vorjahr (7.642). In den traditionellen Märkten Europa und Amerika reduzierte sich die Mitarbeiterzahl um 546. Im asiatischen Markt, in dem Dürr den Umsatz um 14 % steigern konnte und das Geschäft weiter ausbaut, vergrößerte sich die Anzahl der Mitarbeiter um 33 % auf 735 (+184). Im Konzern erhöhte sich die Mitarbeiterzahl zum Jahresende 2004 netto auf 13.295 (12.747). Der Anstieg geht ausschließlich auf den zwischenzeitlich veräußerten Geschäftsbereich Services zurück.

Investitionen in zukünftiges Wachstum: Grundlage für Ausbau des Mining-Geschäfts geschaffen

Im Geschäftsjahr 2004 investierte Dürr in den fortgeführten Aktivitäten 41,3 Mio. Euro (Vorjahr 24,5 Mio. Euro) in Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte. Die größte Investition war die Aufstockung der Beteiligung an der Tochtergesellschaft Schenck Australia mit 11,6 Mio. Euro. Damit hat Dürr eine wichtige Grundlage für den weiteren Ausbau des margenstarken Geschäfts mit Verfahrenstechnik für den Bergbau geschaffen, das zu großen Teilen von Schenck Australia abgewickelt wird. In diesem Bereich bestehen gute Wachstumsmöglichkeiten, zum Beispiel mit Kohlewaschanlagen für den chinesischen Markt.

F&E-Aufwand weiterhin auf hohem Niveau

Dürr flankiert seine Maßnahmen zur Ertragssteigerung durch die Entwicklung neuer technischer Lösungen mit hohem Nachfragepotenzial. Im Geschäftsjahr 2004 hat Dürr, Aufwendungen im Rahmen von Kundenprojekten eingerechnet, erneut rund 6 % seines Umsatzes in neue Produkte und Technologien investiert. Dazu zählen verbesserte Software-Lösungen, zum Beispiel die Leittechnik EcoEMOS für die Steuerung von Produktionsprozessen, und das hochpräzise Messsystem CAB 900 für Auswuchtanlagen von Schenck. Im Bereich der Fahrzeugendmontage stellte Dürr das modulare Fabrikkonzept FAStplant vor, mit dem sich die Hauptlinie einer Endmontage in kürzester Zeit errichten oder umgestalten lässt. Auch zukünftig wird Dürr seine Ausgaben für F&E auf hohem Niveau halten. »Unser Innovationsmanagement zielt darauf ab, Produkte zu entwickeln, die dem Kunden messbaren Mehrwert bringen, zum Beispiel die Reduzierung der Stückkosten. So können wir trotz der schwierigen Lage der Automobilindustrie Nachfrage schaffen«, sagte Dürr-Chef Rojahn.

Chancen trotz schwierigem wirtschaftlichen Umfeld

Das wirtschafliche Umfeld bleibt auch in 2005 schwierig und wettbewerbsintensiv. Investitionsverschiebungen und Kostensparprogramme prägen in der Automobilindustrie vielerorts das Bild. Mit dem verstärkten Angebot von Remodelling richtet sich Dürr auf den steigenden Modernisierungs- und Umrüstungsbedarf bei den Kunden aus. Hohes Wachstums- und Ertragspotenzial sieht Dürr im Ausbau des Industriegeschäfts. Gleichzeitig wird Dürr einen konsequenten Kostensparkurs fahren und den eingeleiteten Neuordnungsprozess fortsetzen, um die Wettbewerbsfähigkeit in einem schwierigen Marktumfeld zu erhalten.

Dürr Konzern (neue Struktur: fortgeführte Aktivitäten) 2004 2003 Veränderung

Umsatz

Euro Mio

1.903,03

2.044,9

-6,9%

Ergebnis vor Steuern

Euro Mio

18,6

-0,9

2.166,7%

Jahresüberschuss /-fehlbetrag

Euro Mio

11,6

-22,0

152,7%

Ergebnis je Aktie nach Anteilen Dritter

Euro Mio

0,88

-1,56

156,4%

Investitionen in Sachanlagen und immaterielle
Vermögenswerte

Euro Mio

41,3

24,5

68,6%

Mitarbeiter (zum 31.12.)

 

7.280

7.642

-4,7%

 

Kennzahlen der Geschäftsbereiche 2004 2003 Veränderung

Fortgeführte Aktivitäten

 

 

 

 

Paint Systems

 

 

 

 

Gesamtumsatz*

Euro Mio

1,154,5

1,250.2

-7,7%

EBT

Euro Mio

28,3

29,3

-3,4%

Mitarbeiter zum 31.12.

 

2.690

2.808

-4,2%

Final Assembly Systems

 

 

 

 

Gesamtumsatz*

Euro Mio

374,0

445,0

-16,0%

EBT

Euro Mio

2,0

7,5

-73,3%

Mitarbeiter zum 31.12

 

1.546

1.593

-3,0%

Ecoclean

 

 

 

 

Gesamtumsatz*

Euro Mio

186,1

208,1

-10,6%

EBT

Euro Mio

-5,1

5,7

-189,5%

Mitarbeiter zum 31.12

 

909

932

-2,5%

Measuring Systems (ohne DTS)

 

 

 

 

Gesamtumsatz*

Euro Mio

307,2

283,7

-8,3%

EBT

Euro mn

10,9

-14,5

175,2%

Mitarbeiter zum 31.12

 

2.084

2.255

-7,6%

Nicht fortgeführte Aktivitäten

 

 

 

 

Services, DTS

 

 

 

 

Gesamtumsatz*

Euro Mio

233,4

227,8

2,5%

EBT

Euro Mio

-6,8

-4,8

-41,7%

Mitarbeiter zum 31.12

 

6.015

5.105

17,8%

 

Das Corporate Center (Dürr AG) beschäftigte zum 31. Dezember 2004 51 Mitarbeiter (2003: 54); das EBT des Corporate Center betrug -17,5 Mio. Euro (2003: -28,9 Mio. Euro).

*) Gesamtumsatz: Umsatz eines Geschäftsbereichs einschließlich konzerninterner Umsätze mit anderen Geschäftsbereichen.


 

Dürr AG
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