Dürr schreibt 2005 trotz Restrukturierung und Umsatzrückgang schwarze Zahlen

30.03.2006

  • Konzernumbau und finanzielle Restrukturierung abgeschlossen
  • Operativer Mittelabfluss in Q4 gestoppt
  • Konzernprogramm FOCUS im Plan
  • Steigender Auftragseingang in Q1 2006 unterstützt Ausblick

Der Vorstand der Dürr AG stellt heute den vom Aufsichtsrat festgestellten Jahresabschluss vor.

Das operative Ergebnis (EBIT vor Einmaleffekten) der fortgeführten Aktivitäten der Dürr-Gruppe war 2005 positiv; das EBIT vor Einmaleffekten verringerte sich aufgrund deutlich rückläufiger Umsätze um 32,3 Mio. Euro auf 3,5 Mio. Euro gegenüber dem Vorjahr. Bereits im operativen Ergebnis sind in den sonstigen betrieblichen Aufwendungen erhebliche Kosten im Zusammenhang mit der Neuausrichtung enthalten. Das um 10,7 Mio. Euro auf 35,2 Mio. Euro verschlechterte Zinsergebnis war der zweite wesentliche Faktor für die Ergebnisentwicklung im Geschäftsjahr 2005. Im Rahmen des Konzernprogramms FOCUS fielen insgesamt Einmalaufwendungen in Höhe von 73,8 Mio. Euro an, davon 45,9 Mio. Euro an Restrukturierungskosten. Die hohen Erträge aus den Firmenverkäufen (116,1 Mio. Euro) kompensierten diese Effekte, so dass Dürr 2005 ein positives Konzernergebnis nach Steuern von 4,3 Mio. Euro (Vorjahr: 4,7 Mio. Euro) erzielte.

Der Auftragseingang der fortgeführten Aktivitäten ging aufgrund einer schwachen Nachfrage im Anlagengeschäft (Lackier- und Montageanlagen), aber auch in der Reinigungstechnik im vergangenen Jahr um 12,3% auf 1.216,9 Mio. Euro zurück. Erfreulicherweise stand dem eine deutlich höhere Nachfrage im Maschinen- und Systemgeschäft (u.a. Lackierroboter, Applikations- und Auswuchttechnik) und in der Umwelttechnik gegenüber. Der Umsatz reduzierte sich um 18,8% auf 1.400,6 Mio. Euro (Vorjahr: 1.725,8 Mio. Euro). Ausschlaggebend für den Rückgang war, dass sich die Erlöse bei Paint and Assembly Systems um 23,0% verringerten, nachdem sie im Vorjahr durch Umsatzbeiträge aus einem Großauftrag in den USA überdurchschnittlich stark angestiegen waren. Measuring and Process Systems verzeichnete dagegen einen nahezu stabilen Umsatz.

„2005 war für uns ein sehr herausforderndes Jahr, in dem wir die Dürr-Gruppe neu ausgerichtet haben“ sagte der Vorstandsvorsitzende Ralf Dieter. „Wir haben wichtige strukturelle Verbesserungen eingeleitet, das FOCUS – Restrukturierungskonzept gestartet und vorangetrieben, uns von Verlustbringern und Randaktivitäten getrennt und uns auf das Kerngeschäft mit der Automobilindustrie fokussiert“. Er fügte hinzu: „Den ersten Teil von FOCUS haben wir mit der finanziellen Sanierung der Gruppe – wie im Sommer 2005 angekündigt – erfolgreich abgeschlossen“.

Die liquiden Mittel betrugen zum Jahresende 124,7 Mio. Euro (31.12.2004: 46,4 Mio. Euro). Die Inanspruchnahme der syndizierten Kreditlinie wurde gleichzeitig zum 31.12.2005 vollständig zurückgefahren. Dürr senkte demzufolge die Nettofinanzverschuldung auf 84,9 Mio. Euro (30.9.2005: 312,2 Mio. Euro). Im 4. Quartal 2005 konnte erstmalig seit mehreren Quartalen der operative Mittelabfluss gestoppt werden. Die Finanzrelationen verbesserten sich zum Jahresende 2005 auch aufgrund der durchgeführten Kapitalerhöhung deutlich, die Eigenkapitalquote lag bei 20,9% nach 15,5% zum 31.12.2004.

„Wir waren im Geschäftsjahr 2005 in der Lage, alle Restrukturierungsaufwendungen und außerplanmäßigen Abschreibungen durch die Erträge aus den Verkäufen von Randaktivitäten, das heißt aus der eigenen Substanz, aufzufangen. Darüber hinaus wurde die Verschuldung erheblich abgebaut“, so der Finanzvorstand Martin Hollenhorst.

Im Rahmen des Konzernprogramms FOCUS wurden bis Ende 2005 332 von insgesamt rund 800 vorgesehenen Stellen abgebaut. Regionale Schwerpunkte bildeten die reifen Märkte in Nordamerika und Europa. Ein Aufbau erfolgte hingegen in Asien. Acht der über 30 FOCUS–Projekte sind bereits abgeschlossen. Die Umsetzung von FOCUS liegt voll im Zeitplan.

Ausblick: Die vermehrten Projektanfragen zum Jahreswechsel 2005/2006 werden sich im ersten Quartal in einem erfreulich steigenden Auftragseingang von rund 400 Mio. Euro (auf vergleichbarer Basis Q1 2005: 323,3 Mio. Euro) niederschlagen. Dieser Nachfrageanstieg umfasst sowohl das Service- und Modernisierungsgeschäft als auch die Planung und den Bau neuer Anlagen. Die Aufträge für neue Anlagen stammen hauptsächlich aus Indien und China. Dürr erwartet für die ersten beiden Quartale einen leicht rückläufigen Umsatz, da sich der Auftragsbestand zum Jahresende um 136,4 Mio. Euro auf 723,5 Mio. Euro reduzierte und die Neuaufträge erst im späteren Jahresverlauf verstärkt zum Tragen kommen. Für das Gesamtjahr erwartet die Gesellschaft einen in etwa unveränderten Umsatz gegenüber dem Vorjahr. Das operative Ergebnis wird sich voraussichtlich deutlich verbessern. Dürr rechnet mit einem positiven Ergebnis nach Steuern. 2006 bleibt ein Jahr des Übergangs und der Implementierung des Restrukturierungsprogramms FOCUS. Erst im Verlauf von 2007 werden sich alle FOCUS-Maßnahmen positiv auswirken.

Der Dürr-Konzern ist ein weltweit führender Anbieter von Produkten, Systemen und Dienstleistungen für die Automobilfertigung. Das Angebot umfasst wesentliche Fertigungsstufen eines Fahrzeugs: Als Systemanbieter plant und baut Dürr Lackierereien und Endmontagewerke. Darüber hinaus liefert Dürr Reinigungs- und Filtrationssysteme für die Produktion von Motoren- und Getriebekomponenten sowie Auswuchtmaschinen.

Kennzahlen (IFRS) – fortgeführte Aktivitäten

In den fortgeführten Aktivitäten sind die in 2005 veräußerten Geschäftsbereiche Measuring and Process Technologies und Development Test Systems sowie die Premier-Gruppe nicht mehr enthalten. Eine Unterscheidung zwischen fortgeführten und nicht fortgeführten Aktivitäten ist im Geschäftsjahr 2006 nicht mehr erforderlich.

in Mio. Euro 2005 2004

Auftragseingang

1.216,9

1.387,4

Auftragsbestand (31.12.)

723,5

859,9

Umsatz

1.400,6

1.725,8

EBIT (Ergebnis vor Zinsen und Ertragsteuern) vor Einmalaufwendungen¹

3,5

35,8

Ergebnis nach Ertragsteuern des Konzerns (einschließlich nicht fortgeführte Aktivitäten)

4,3

4,7

Cash Flow aus laufender Geschäftstätigkeit

-147,6

-115,5

Cash Flow aus Investitionstätigkeit

282,7

-19,5

Cash Flow aus Finanzierungstätigkeit

-74,7

-19,4

Bilanzsumme (31.12.)²

1.189,1

1.435,8

Eigenkapital (mit Fremdanteilen) (31.12.)²

248,1

222,7

Nettofinanzverschuldung³ (31.12.)²

84,9

242,8

Net Working Capital (31.12.)²

171,5

120,5

Mitarbeiter (31.12.)

5.992

6.240

¹ EBIT vor Restrukturierungsaufwendungen, außerplanmäßigen Abschreibungen und Beteiligungsergebnis.

² Die Bilanzwerte der fortgeführten Aktivitäten für die Jahre 2005 und 2004 sind, mit Ausnahme des Eigenkapitals, nur eingeschränkt vergleichbar. In der Bilanz für 2005 sind die Werte für den veräußerten Geschäftsbereich Mea- suring and Process Technologies nicht mehr berücksichtigt. In der Bilanz für 2004 ist dies dagegen noch der Fall. Damit entspricht Dürr einer Regelung des IFRS 5.

³ Ohne Finanzierungsleasing.

 

in Mio. Euro 2005 2004

Paint and Assembly Systems

Auftragseingang

931,2

1.086,4

Umsatz

1.090,0

1.413,8

EBIT vor Einmalaufwendungen

7,1

34,5

Mitarbeiter (31.12.)

3.979

4.236

Measuring and Process Systems

Auftragseingang

285,7

301,0

Umsatz

310,6

312,0

EBIT vor Einmalaufwendungen

5,1

-1,3

Mitarbeiter (31.12.)

1.966

1.953

Aufgrund von Rundungen können sich bei Summenbildungen und bei der Berechnung von Prozentangaben geringfügige Abweichungen ergeben.


 

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