Geschäftsmodell
Dürr ist ein weltweit führender Anbieter von Systemen, Dienstleistungen und Produkten für die Automobilfertigung. Wir sind überall dort präsent, wo Autos gefertigt werden und zwar mit Vertriebs-, Service-, Engineering- und Produktionsstützpunkten. Rund 85% unseres Umsatzes erzielen wir im Geschäft mit der Automobilindustrie. Darüber hinaus beliefern wir die Flugzeugindustrie, den Maschinenbau sowie die Chemie-, Pharma- und Druckindustrie. Rund 55% unserer Aktivitäten entfallen auf den Anlagenbau, 45% auf den Maschinenbau.
Dürr ist in 20 Ländern an 45 Standorten (davon 25 mit Produktionsstätten) vertreten. Als Systemanbieter plant und baut Dürr Lackierereien und Endmontagewerke, hauptsächlich für die Automobilindustrie, aber auch für den Flugzeugbau. Das Angebotsspektrum umfasst darüber hinaus industrielle Reinigungssysteme, Automatisierungstechnik und Auswuchtmaschinen für die Produktion von Motoren- und Getriebekomponenten sowie Montage-, Prüf- und Befülltechnik für die Fahrzeugendmontage. Hinzu kommt die Umwelttechnik, wo Dürr Abluftreinigungsanlagen für Automobillackierereien und die allgemeine Industrie anbietet. Rund die Hälfte der knapp 6.000 Mitarbeiter arbeitet in Deutschland. Der Anteil der Mitarbeiter in den Emerging Markets ist in den letzten Jahren stetig auf über 23% gestiegen.
Das operative Geschäft ist in sechs Business Units (Geschäftsbereiche) eingeteilt. Fünf der sechs Dürr-Geschäftsbereiche sind auf ihrem Tätigkeitsgebiet Weltmarktführer. Der jüngste Geschäftsbereich, Aircraft and Technology Systems, etabliert sich derzeit und will mit seinen Systemen für die Montage und Lackierung von Flugzeugen ebenfalls in die Spitzengruppe. In einzelnen Bereichen hat Dürr einen Marktanteil von rund 50%. Kein anderer Wettbewerber verfügt über eine vergleichbare Präsenz in den regionalen Märkten der Welt. Neben wenigen global agierenden Wettbewerbern gibt es einige lokale Wettbewerber.
Die Fertigungstiefe im Konzern ist sowohl im Anlagenbau als auch im Maschinenbau/Produktgeschäft mit insgesamt rund 25% relativ gering. Dadurch kann Dürr in der derzeitigen Abschwungsphase flexibler reagieren und weist damit ein geringeres geschäftliches Risiko auf als Unernehmen mit hoher Fertigungstiefe. Materialkosten haben eher durchlaufenden Charakter, da im Projektgeschäft die Einsatzstoffe immer mit den aktuellen Preisen in die Kalkulation einfließen. Der ROCE übertrifft mit knapp 18% im Jahr 2008 deutlich den Durchschnitt der deutschen Maschinen- und Anlagenbauer. Aufgrund der globalen Aufstellung und des hohen lokalen Wertschöpfungsanteils ist der Wechselkurseinfluss gering.
Dürr ist abhängig vom langfristigen Investitionsverhalten der Automobilindustrie, das kurzfristige Nachfrageverhalten der Konsumenten fällt dagegen weniger stark ins Gewicht. Längerfristig orientiert sich das Investitionsverhalten der Dürr-Kunden an der weltweiten Produktions- und Absatzentwicklung. Das Marktumfeld in der Automobilindustrie ist derzeit schwierig, Experten erwarten allerdings eine Zunahme der Nachfrage spätestens ab 2011. In den vergangenen Jahren ist die weltweite Automobilproduktion stetig gestiegen; Wachstumstreiber sind die Emerging Markets; allen voran China. Der Anteil der Emerging Markets am Auftragseingang von Dürr liegt mit knapp 50% sehr hoch.
Strategie
Wir verfolgen das Ziel, unsere Ertragskraft nachhaltig zu steigern. Die Optimierung der betrieblichen Abläufe verstehen wir als kontinuierlichen Prozess. Neben der verstärkten Internationalisierung unseres Angebots setzen wir auf den Ausbau des Servicegeschäfts. Basis hierfür ist die große Verbreitung unserer Maschinen und Anlagen bei Kunden in aller Welt. Rund 60% aller Automobillackierereien und rund 50% aller Montagewerke arbeiten mit Dürr-Technik.
Dürr verfolgt die Strategie, Trends und Herausforderungen in der Automobilindustrie aktiv aufzugreifen und zeitnahe Lösungsangebote zu entwickeln. Mit seiner Produktlinie „LeanLine“ zum Beispiel hat das Unternehmen frühzeitig auf den Bedarf an einfacheren, kostengünstigen Standardanlagen bei asiatischen Kunden reagiert. Zur Kostenattraktivität von LeanLine trägt der hohe Wertschöpfungsanteil von Dürr in Low-Cost-Ländern bei. Als Technologieführer entwickelt Dürr systematisch Lösungen, mit denen Kunden ihre Stückkosten in der Produktion messbar und erheblich senken können. Ein Meilenstein-Produkt, das Dürr Mitte Oktober 2008 vorgestellt hat, ist das Lackierkabinen-Konzept EcoDryScrubber, das zu Energieeinsparungen von bis zu 30% im energieintensiven Prozess der Automobillackierung führt. EcoDryScrubber knüpft an das so genannte „Green Paintshop“-Konzept von Dürr an; dabei handelt es sich um eine in hohem Maße umweltverträgliche Musterlackiererei mit optimiertem Energie- und Ressourcenverbrauch.
Im zweiten Halbjahr 2007 haben wir die Perspektiven und Potenziale unserer Geschäftsbereiche und des Gesamtkonzerns analysiert und daraus die Strategie „Dürr 2010“ abgeleitet. Ihre vier Eckpfeiler sind: Kundennutzen steigern, Wachstumsinitiativen verfolgen, Prozesse optimieren und Unternehmenswert steigern. Nachfolgende Grafik gibt einen Überblick über die vier Eckpfeiler und über die Einzelmaßnahmen:
Dürr tritt dem Konjunkturabschwung mit einem umfassenden und offensiven Maßnahmenpaket zur Senkung von Kapazitäten und Kosten entgegen. Im ersten Quartal 2009 wurden Stellen in Frankreich und den USA sowie weltweit die Mehrzahl der Leasingkräfte abgebaut. Im zweiten Quartal werden im Ausland weitere Anpassungen erfolgen. In Deutschland wird die Kurzarbeit leicht ausgeweitet, ihr Umfang hängt von der Auslastung an den einzelnen Standorten ab. Insgesamt wird Dürr seine Kapazitäten im laufenden Jahr voraussichtlich um 15 bis 20% verringern. Entsprechend der Marktlage kann ein weiterer Stellenabbau in einzelnen Ländern erforderlich werden.

