Dürr setzt positive Entwicklung fort
19.05.1999
- Zweistelliger Umsatz und Ergebniszuwachs; höhere Dividende
- Höchstwert bei Auftragseingang und Auftragsbestand
- Akquisitionen stärken Kernkompetenzen und erweitern Systemangebot
- Geschäftsjahr 1999: Wachstum mit neuem Unternehmensbereich
- Dienstleistungen / Anhaltender Wettbewerbsdruck durch differenzierte Automobilkonjunktur
Die Dürr AG, Stuttgart, hat im Geschäftsjahr 1998 ihren Wachstumskurs weiter fortgesetzt. Der weltweit führende Hersteller von Lackiersystemen für die Automobilindustrie und von Systemen der Industriellen Reinigungstechnik konnte bei Umsatz und Ergebnis erneut zweistellig zulegen und erzielte beim Auftragseingang einen neuen Höchstwert. Mit mehreren internationalen Akquisitionen hat Dürr sein Produkt- und Leistungsprogramm in den Kerngeschäftsfeldern nochmals verbreitert und so die Voraussetzungen für anhaltendes Wachstum und den weiteren Ausbau seiner Wettbewerbsposition geschaffen. Durch den hohen Auftragsbestand und die stabile Automobilkonjunktur in Europa und den USA rechnet Dürr auch 1999 mit einem Umsatzzuwachs. Trotz hohem Wettbewerbsdruck und steigenden Risiken wegen der anhaltenden Krisen in Asien, Südamerika und Rußland will Dürr auch im laufenden Geschäftsjahr wieder die hohen Werte des Vorjahres erreichen.
Der Umsatz des Dürr Konzerns stieg 1998 um 12,2 % auf DM 2.108 Mio. (VJ: DM 1.878 Mio.). Beim Auftragseingang wurde ein Plus von 5,3 % auf DM 2.128 Mio. erzielt (VJ: DM 2.020 Mio.). Der Auftragsbestand wuchs um 2,4 % auf die neue Bestmarke von DM 1.733 Mio. (VJ: DM 1.692 Mio.). Dies sichert eine Auslastung der Kapazitäten bis weit ins Jahr 1999.
Das Ergebnis vor Steuern hat Dürr um 15,3 % auf DM 72,8 Mio. DM verbessert (VJ: DM 63,1 Mio.). Der Jahresüberschuß erreichte DM 42,2 Mio. (VJ: DM 40,8 Mio.) und ist belastet von den Ergebnissen einer 1998 abgeschlossenen Betriebsprüfung. Wegen der positiven Ertragsentwicklung schlägt der Vorstand der Hauptversammlung am 30. Juni eine Erhöhung der Dividende um DM 0,30 auf DM 1,80 je Aktie vor. Der Cash Flow nach DVFA/SG betrug DM 80,7 Mio. (VJ: DM 70,9 Mio.). Die Umsatzrendite vor Steuern erreichte 3,5 %; die Umsatzrendite nach Steuern blieb mit 2,0 % nahezu konstant (VJ: 2,2 %), während sich die Eigenkapitalrendite nach Steuern leicht auf 10,7 % (VJ: 10,6%) erhöht hat.
Der Umsatz stieg in nahezu allen Geschäftsbereichen. Der Unternehmensbereich Lackiertechnik trug DM 1.050 Mio. (VJ: DM 979 Mio.) zum Konzernumsatz bei, die Applikationstechnik DM 435 Mio. (VJ: DM 395 Mio.), die Fördertechnik DM 228 Mio. (VJ: DM 127 Mio.), die Umwelttechnik DM 109 Mio. (VJ: DM 122 Mio.) und die Industrielle Reinigungstechnik DM 286 Mio. (VJ: DM 255 Mio.). Regionale Schwerpunkte des Umsatzes lagen in Deutschland mit 39 % (VJ: 27 %), im übrigen Europa mit 23 % (VJ: 30 %), in Nordamerika mit 25 % (VJ: 29 %) und Südamerika mit 9 % (VJ: 6 %) sowie in Asien mit 4 % (VJ: 8%). Die Veränderungen der regionalen Zusammensetzung waren bedingt durch die Abrechnung von Großprojekten und Akquisitionen.
Höhere Investitionen, mehr Mitarbeiter Dürr hat die Investitionen 1998 deutlich auf DM 106 Mio. erhöht (VJ: DM 70,1 Mio.). In Sachanlagen flossen DM 53 Mio.; in immaterielle Vermögensgegenstände - hauptsächlich erworbene Firmenwerte - wurden DM 51,7 Mio. investiert. Durch die Integration neuer Tochtergesellschaften und das wachsende Geschäftsvolumen ist die Mitarbeiterzahl im Konzern zum Jahresende um 480 oder 13,2 % auf 4.122 gestiegen (VJ: 3.642 ). Davon sind rund 350 Beschäftigte in übernommenen Gesellschaften tätig. Darüber hinaus konnten 130 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Das 1998 erstmals begonnene Beteiligungsprogramm zur Ausgabe von Mitarbeiteraktien wird fortgesetzt.
Erfolgreiches Systemangebot in der Lackiertechnik Die Dürr Systems Gruppe hat einen Umsatzzuwachs von 12,3 % auf DM 1.822 Mio. erzielt. (VJ: DM 1.623 Mio.).
Das Geschäft mit Lackieranlagen in der Automobilindustrie war 1998 wieder von großen Systemaufträgen geprägt. Der Auftragseingang entwickelte sich vor allem in Europa und Nordamerika positiv, während die Nachfrage in Asien, Südamerika und Rußland stark rückläufig war. Von der Audi AG erhielt Dürr Anfang 1998 den Auftrag über eine neue Lackiererei am Standort Neckarsulm. In einer Realisierungszeit von nur 13 Monaten lieferte Dürr als Systemanbieter neben modernster Anlagentechnik auch das Gebäude und die Infrastruktur. In Neckarsulm werden jetzt erstmals Aluminiumkarosserien in Großserie lackiert. In der Slowakei errichtet Dürr für VW eine komplette Lackiererei, die in Osteuropa richtungsweisend ist. Mit einem Turnkey-Auftrag über die Verlagerung und gleichzeitige Modernisierung einer Lackiererei wird Dürr am Ford-Standort Dearborn, USA, die Lackierqualität steigern und hierzu umweltfreundliche Wasserlacke einsetzen. In China übergab Dürr die bisher modernste Lackieranlage des Landes an ein Joint-Venture zwischen General Motors und einem chinesischen Partner. Für Jinbei, einen chinesischen Hersteller, und für VW China werden jeweils komplette Lackierereien errichtet.
In der Applikationstechnik hat Dürr mit seinem Lackierroboter Ecopaint Robot sehr gute Markterfolge erzielt und damit seine weltweit führende Position gestärkt. Zusammen mit dem Angebot an Beschichtungsmaschinen bietet Dürr ein einzigartiges, modulares Systemangebot für die Lackapplikation, das sich durch seine hohe Leistungsfähigkeit, einfache Wartung und Programmierung sowie günstige Betriebskosten auszeichnet.
Zusätzliche Marktsegmente in der Automobilproduktion erschlossen Mit gezielten Unternehmenskäufen im Geschäftsjahr 1998 konnte Dürr sein Produktprogramm inhaltlich abrunden und seine Marktpräsenz regional verbessern. Im Unternehmensbereich Fördertechnik hat Dürr neben der Acco Systems Inc., Warren/Michigan (USA), auch eine 50 %-Beteiligung an der CPM S.p.A., Turin (Italien), erworben. Beide Unternehmen verfügen jeweils über neuartige Fördersysteme, durch die sich zusätzliche Marktsegmente im Rohbau und in der Endmontage von Automobilwerken erschließen lassen.
In der Umwelttechnik hat Dürr seine Wettbewerbsposition in der Abluftreinigung durch die Übernahme von Abluftreinigungstechnologien der Engelhard Corp., South Lyon/Michigan (USA), und durch die Akquisition von REECO (Regenerative Environmental Equipment Co. Inc.), Branchburg/New Jersey (USA), verbessert.
Systemgeschäft durch Dienstleistungen in neuen Dimensionen Gute Chancen für weiteres Wachstum sieht Dürr im Dienstleistungsbereich. Daher hat Dürr im April 1999 mit der Premier Manufacturing Support Services, Cincinnati/Ohio (USA), einen international tätigen Spezialisten für produktionsunterstützende Dienstleistungen in der Automobilfertigung erworben. "Premier ermöglicht Dürr den schnellen Eintritt in ein wachsendes Marktsegment. Mit dem neuen Unternehmensbereich wollen wir mittelfristig rund DM 500 Mio. unseres Umsatzes erzielen", sagte Dürr Vorstandschef Hans Dieter Pötsch auf der Bilanzpressekonferenz.
Premier ist außerhalb der USA in neun weiteren Ländern - unter anderem in Deutschland - tätig und erwirtschaftete im letzten Geschäftsjahr mit rund 2.500 Mitarbeitern einen Umsatz von US-Dollar 90 Mio. Mit seinem Dienstleistungsangebot kommt Dürr einer wachsenden Zahl von Kunden entgegen, die neben dem Erwerb einer Lackiererei auch Unterstützung für den laufenden Betrieb dieser Anlagen wünschen. Als einer der ersten Anbieter offeriert Dürr ein derart umfassendes Leistungsangebot und stößt so in eine neue Dimension der Systemkompetenz vor.
Reinigungstechnik mit weiterem Geschäftsfeld Die Dürr Ecoclean Gruppe hat ihre weltweit führende Position als Anbieter für Industrielle Reinigungstechnik auch 1998 gehalten. Der Umsatz wuchs um 12,2 % auf DM 286 Mio. (VJ: DM 255 Mio.). Mit dem Erwerb der Henry Filters Inc., Bowling Green/Ohio (USA), des führenden amerikanischen Anbieters für Emulsionsaufbereitungs- und Filtrationsanlagen hat sich die Dürr Ecoclean Gruppe ein neues Marktsegment erschlossen, das international intensiv vermarktet werden soll. Den ersten Erfolg in Europa verzeichnete Dürr bereits durch einen Großauftrag von GM.
Ausblick 1999 Dürr ist gut in das Geschäftsjahr 1999 gestartet. Die aktuellen Kennzahlen für die ersten vier Monate liegen etwas unter dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. Wegen der für den Anlagenbau typischen schwachen ersten Monate sowie Sondereinflüssen durch einen Großauftrag im ersten Quartal 1998 ist ein direkter Vergleich mit den entsprechenden Vorjahreswerten nicht aussagekräftig. In den ersten vier Monaten des Geschäftsjahres 1999 erzielte Dürr einen Konzernumsatz von DM 391 Mio. Dieser lag um 4,6 % unter dem Wert des Vergleichszeitraumes (VJ: DM 410 Mio.). Entsprechend zeigte sich auch das Ergebnis vor Steuern mit DM 9,2 Mio. (VJ: DM 9,8 Mio.; - 6,1 %). Der Auftragseingang liegt mit DM 565 Mio. noch um 28,9 % unter dem Vorjahreswert (VJ: DM 795 Mio.). Allerdings erwartet Dürr in den kommenden Monaten den Abschluß verschiedener Großprojekte. Mit einem Auftragsbestand von DM 1.907 Mio. (VJ: DM 2.380 Mio.; - 19,9 %) ist der Dürr Konzern im laufenden Geschäftsjahr gut ausgelastet.
Vor dem Hintergrund der anhaltenden Krisen in Asien, Rußland und einer Konzentration der Projekttätigkeit in Europa und den USA ist 1999 ein starker Wettbewerbsdruck mit entsprechenden Risiken zu verspüren. Trotz des differenzierten Umfeldes verfolgt Dürr für das Gesamtjahr das anspruchsvolle Ziel, bei Umsatz, Ertrag und Auftragseingang zumindest wieder die hohen Werte des Vorjahres zu erreichen. "Mit dem erneuten Ausbau unserer internationalen Systemkompetenz, vor allem unseres neuen Unternehmensbereich Dienstleistungen, hat Dürr wesentliche Voraussetzungen geschaffen, um mittelfristig seinen ertragsorientierten Wachstumskurs fortzusetzen", so Pötsch.
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