Erstmals Innenlackierung von Lieferwagen und Kleintransportern im ESTA-Verfahren

10.07.2007

15% weniger Lackverbrauch durch ESTA-Zerstäuber von Dürr

Bietigheim-Bissingen, 10. Juli 2007 – Auch bei der Innenlackierung von Laderäumen bei Lieferwagen und Kleintransportern gelten höchste Qualitätsansprüche. Bei Pkw ist ein relativ kleiner Teil des Innenraums zu lackieren, da große Bereiche der Oberfläche später verkleidet werden. Außerdem liegen diese Innenlackierbereiche günstig an den Türen und Hauben. Bei automatisierten Lackieranlagen sorgen Roboter für das Öffnen der Türen und Hauben. Die Lackierroboter erreichen so problemlos die vorgesehenen Flächen.

Bei Lieferwagen und Kleintransportern ist der Zugang für den Lackierroboter zum Innenraum nicht ganz so einfach. Die oft recht langen Karosserien haben seitlich keine oder nur beschränkte Zugangsmöglichkeiten für Lackierroboter. Nur über die Hecköffnung ist es möglich, dass Roboter den gesamten Innenraum erreichen.

Dazu gibt es zwei Methoden. Erstens, die Karosserie wird rückwärts über einen ortsfest angeordneten Lackierroboter gefördert, oder, zweitens, und das ist die häufiger eingesetzte Lösung, der Roboter befindet sich auf einem Schwenkarm und wird in die Karosserie eingeschwenkt. Zusätzlich kann sich die Schwenkeinrichtung noch auf einer Verfahrachse befinden. Insgesamt sind so bis zu acht Bewegungsachsen daran beteiligt, dass alle Bereiche des Innenraumes erreicht und lackiert werden können.

Üblicherweise werden Luftzerstäuber zum Lackauftrag genutzt. Mit diesen Zerstäubern, teilweise auch Doppelzerstäubern, können große Lackmengen ausgebracht werden (800-1000 ml/min). Die kinetische Energie ist bei dieser Art der Zerstäubung vergleichsweise hoch, deshalb verursacht der zerstäubte Lack „Overspray“. Das heißt, dass sich nicht alle Lacktröpfchen an der gewünschten Stelle der Karosserie niederschlagen. „Overspray „ führt außerdem zu Verschmutzungen in der Kabine, da durch Karosserieöffnungen wie Fenster und Türen der Lacknebel aus dem Innenraum der Karosserie austritt. Der Auftragswirkungsgrad solcher Anlagen liegt üblicherweise bei 35 bis 50 %.

Luftzerstäubende Verfahren werden wegen dieser Nachteile zunehmend durch das ESTA-Verfahren abgelöst. Dabei wird der Lack mit geringerer kinetischer Energie zerstäubt. Durch Aufladung des Lacks mit Hochspannung wird zusätzlich ausgenutzt, dass die Lacktröpfchen den elektrischen Feldlinien zur geerdeten Karosserie folgen. Der Auftragswirkungsgrad erreicht so 50 bis 80 %. Das bedeutet: Lackverbrauch und Verschmutzung reduzieren sich, während die Qualität der Lackierung steigt.

In einer Lackiererei in Polen werden jetzt erstmalig Dürr-Zerstäuber des Typs EcoBell2 für den Innen-Klarlack-Auftrag bei Lieferwagen und Kleintransportern mit Direktaufladung eingesetzt. Die zwei parallelen Linien sind mit je einem Dürr-Lackierroboter EcoRP8 mit Swingarm ausgerüstet. Die Karosserien werden im Stop-and-Go-Betrieb auf einem Skid in die Warteposition der Innenlackierzone gefördert. Nachdem die vorhergehende Karosserie fertig lackiert ist, schwenkt der Roboter aus der Lackierstellung und gibt den Weg für die wartende Karosserie frei. In dieser Zeit erfolgt der Spül- und Andrückprozess für die nächste Farbe und, wenn erforderlich, die Zerstäuberreinigung mit dem vollautomatischen Zerstäuberreinigungsgerät EcoBell Cleaner von Dürr. Sobald die Karosserie die Lackierposition erreicht hat, schwenkt der Roboter in die Lackierposition. Mit der Verfahrachse und den anderen Bewegungsachsen des Roboters lassen sich alle erforderlichen Positionen zum Innenlackieren anfahren. Für die verschiedenen Fahrzeugtypen werden die entsprechenden Bewegungs- und Lackierabläufe in Offline-Simulationen programmiert und an die Robotersteuerung übertragen.

Wesentliche Parameter in den Linien sind die Lackausflussraten von 250-700 ml (überwiegend 400-600 ml), der Lenkluftverbrauch von 350-600 Nl/min (überwiegend 500-600 Nl/min), die Drehzahl des Zerstäubers mit 50000 min-1, eine konstante Hochspannung von 50 KV und eine Taktzeit von 96 Sekunden. Verglichen mit den zuvor verwendeten Luftzerstäubern konnte der Lackverbrauch durch den ESTA-Einsatz um
15 % gesenkt werden, und die Lackierqualität wurde deutlich verbessert.

Der Dürr-Konzern ist ein weltweit führender Anbieter von Produkten, Systemen und Dienstleistungen für die Automobilfertigung. Das Angebot umfasst wesentliche Fertigungsstufen eines Fahrzeugs: Als Systemanbieter plant und baut Dürr Lackierereien und Endmontagewerke. Darüber hinaus liefert Dürr Reinigungs- und Filtrationsanlagen für die Produktion von Motoren- und Getriebekomponenten sowie Diagnose- und Auswuchtsysteme für Fahrzeugkomponenten. Rund 90% des Konzernumsatzes entfallen auf das Geschäft mit Automobilherstellern und -zulieferern. Weitere wichtige Kundengruppen von Dürr sind der Maschinenbau sowie die Chemie-, Pharma-, Beschichtungs- und Luftfahrtindustrie.


 

Dürr Systems GmbH
Harald Voigtländer
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