Rotationstauchverfahren RoDip von Dürr

Dürr baut weitere Lackiererei für BBAC in China

Bietigheim-Bissingen, 15. Oktober 2015 – Dürr erstellt als General-unternehmer am Standort Peking für Beijing Benz Automotive Co, Ltd. (BBAC) eine weitere Lackiererei. Bereits im Januar 2013 hatte Dürr von dem deutsch-chinesischen Automobil Joint Venture den Auftrag für den Bau einer Lackiererei nur fünf Kilometer entfernt erhalten. Diese Anlage befindet sich derzeit sehr erfolgreich im Hochlauf.

Die Erfahrung aus dem ersten Projekt sorgt für Synergien in Planung und Projektabwicklung. Der Einsatz der weitgehend identischen Projektteams auf beiden Seiten schafft beste Voraussetzungen für eine reibungslose Abwicklung. BBAC setzt auf den bei Mercedes-Benz bewährten IP2 (Integrated Paint Process). Dieser Prozess verzichtet auf den Füller und damit auch auf den dazugehörigen Trockner. Dadurch reduziert sich die Komplexität des Anlagenlayouts ebenso wie der Energieverbrauch.  

Bereits im Grundlackbereich wird großer Wert auf Nachhaltigkeit gelegt. Sowohl in der Vorbehandlung als auch in der kathodischen Tauchlackierung kommt das Rotationstauchverfahren Ecopaint RoDip zum Einsatz. Die Rotationsbewegung der Karosserien ermöglicht den Verzicht auf Ein- und Auslaufschrägen beim Tauchbecken. Diese Tatsache führt nicht nur zu einer signifikanten Platzersparnis, sondern verbraucht aufgrund kleinerer Badvolumina weniger Energie und weniger Chemikalien. Damit senkt RoDip nicht nur die Stückkosten, sondern bietet gleichzeitig den bestmöglichen Korrosionsschutz durch einen optimierten Prozess des Eintauchens, Flutens und Abtropfens. Jährlich werden bereits mehr als 10 Millionen Karosserien weltweit mit der Rotationstauchlackierung von Dürr beschichtet.

Im Anschluss an die Vorbehandlung werden die Nähte der Karosserien abgedichtet. Gleichzeitig spritzen Sealing-Roboter Matten zur Geräuschdämmung (LASD) in die Innenräume. Dabei kommt eine speziell entwickelte LASD-Düse zum Einsatz. Durch den automatisierten Prozess kann dieser Fertigungsschritt sehr flexibel auf die wechselnden Karosserien in der Anlage angepasst werden. Der Zeitbedarf für die Dämmstoffapplikation verringert sich gegenüber den älteren Verfahren erheblich. Die früher eingelegten Bitumenmatten waren zudem sehr empfänglich für Staubpartikel und deutlich schwerer als die applizierten Materialien. Das Sealing wird von 15 Robotern der Typen EcoRS16 sowie EcoRS30 L16 übernommen.

In den nachfolgenden Spritzkabinen wird der Basis- und Klarlack aufgetragen. Insgesamt 60 Roboter der Typen EcoRPL133, EcoRPL033 sowie EcoRPL030 führen die Außen- und Innenlackierung sowie das Öffnen und Schließen der Türen und Hauben vollautomatisiert aus. Die Lackiertechnik, die Dürr in Peking installiert, erfüllt hohe Ansprüche an die Umweltverträglichkeit. So applizieren die Roboter mit den Hochrotationszerstäubern der Generation EcoBell2 wirtschaftliche und umweltfreundliche Wasserlacke auf die Karosserien. Durch die flexible Sprühstrahleinstellung können unterschiedliche Lackieraufgaben in höchster Qualität und mit hohem Auftragswirkungsgrad bewältigt werden.

In den Innenlackierzonen kommen Zerstäuber-Reinigungsgeräte zum Einsatz. Diese reduzieren die Anzahl der ansonsten notwendigen manuellen Reinigungen deutlich und tragen zur Sicherstellung der hohen Produktionszahlen bei. Die Zahnraddosierpumpe EcoPump9 sorgt überdies für geringen Lackverlust und unterstützt kurze Farbwechselzeiten.

Der Overspray wird durch das energieeffiziente Lackierkabinensystem EcoDryScrubber gebunden. Diese Trockenabscheidung des Lacknebels verzichtet komplett auf Wasser und Chemikalien. Dadurch kann die Lackierkabine mit 80% Umluft gefahren werden. Durch den reduzierten Aufwand für die Luftkonditionierung spart der EcoDryScrubber bis zu 60% der Energie in der Lackierkabine.

Die restlichen Lösemittelemissionen aus den Lackierkabinen ebenso wie aus den Abdunstzonen werden durch eine Abluftreinigungsanlage um 90% reduziert. Durch den zusätzlichen Einsatz der Trockenabscheidung (EcoDryScrubber) ergibt sich eine hochkonzentrierte und besonders effizient gefilterte Abluft. Somit kann eine sehr kompakte Abluftreinigungsanlage, bestehend aus einer hocheffizienten VOC-Aufkonzentrierung (Ecopure KPR) mit nachgeschalteter thermischer Abluftreinigung (Ecopure TAR) realisiert werden. Die notwendige Energie der Desorptionsluft für die Ecopure KPR-Anlage wird aus dem Reingas der thermischen Abluftreinigung zurückgewonnen. Dadurch werden die Investitionskosten für das Abluftsystem um 60% gesenkt. Der Energiebedarf für die Abluftreinigung reduziert sich in dieser Kombination um 80%.

Auch bei den Trocknern kommt energieeffiziente Technik von Dürr zum Einsatz. Der EcoC-IC-Trockner (Convection with Integrated Conveyor) zeichnet sich durch seine im Boden integrierte Rollenbahn aus. Bis auf die außerhalb der Kabine angebrachten Antriebe sind alle Förderelemente platzsparend unter der Bodenplatte eingebaut. Dadurch reduziert sich der Querschnitt des Trockners und damit die thermischen Verluste an die Umgebung.  

Die Abluft aus den Trocknern wird über die integrierte Nachverbrennung Ecopure TAR mit Wärmerückgewinnung gereinigt und danach wieder zur Trocknerbeheizung genutzt. Die durch die Aufkonzentrierungsrotoren gereinigte Abluft aus den Spritzkabinen wird noch zusätzlich über eine Wärmerückgewinnung geführt. Dieses Kreislaufverbundsystem sorgt für eine Vorwärmung der Zuluft für die Kabinen. Im heißen Sommer kann damit sogar ein Kühleffekt erzielt werden.

Mit der Dürr Ecopure Abluftreinigung werden auch die höheren Emissionsgrenzwerte, die bis spätestens 2017 in Peking einzuhalten sind, sicher unterschritten. BBAC wird in dieser Anlage, die im dritten Quartal 2015 bei Dürr beauftragt wurde, 30 Fahrzeuge in der Stunde lackieren.

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